Mensch ist Mensch. Punkt!
- Sabine Janowitz
- 19. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Heute ist Diversity Day. Ein Tag, der eigentlich selbstverständlich sein sollte und gerade deshalb weh tut. Wir Menschen sind einfach verschieden, das wohnt unserem Menschsein inne und es sollte nicht notwendig sein, darauf hinzuweisen.
Leider ist das so, dass man Tage wie diese gestaltet, damit es irgendwann normal ist verschieden zu sein. Lieber würde ich einen Tag feiern, der heißt „Mensch ist Mensch. Punkt!“
Der Diversity Day wurde ursprünglich geschaffen, um Vielfalt und Gleichberechtigung in der Arbeitswelt sichtbar zu machen. Inzwischen ist er jedoch ein Tag, an dem wir gesamtgesellschaftlich über Teilhabe, Chancengleichheit und Menschenwürde sprechen und damit auch über Schule, Inklusion und Zukunftsperspektiven. Diese Vielfalt ist Realität und sie gehört in all ihren Facetten dazu.
Als Lehrer*innen haben wir stets im Blick, Schüler*innen bestmöglich auf das Leben und eine Ausbildung vorzubereiten und machen uns sogar bereits in der Grundschule häufig Gedanken über den bestmöglichen beruflichen Weg. Wenn wir also über Diversität sprechen, müssen wir auch über Zukunft sprechen und über die Frage, welche Wege jungen Menschen offenstehen oder eben nicht. Oft bleibt nur die Wahl zwischen keiner Arbeit oder einer Werkstatt mit einem durchschnittlichen Lohn von 222 Euro.
Die „Streichliste des Kanzleramts“ schlägt unter anderem vor, bei den Schul- und Individualbegleitungen Kürzungen vorzunehmen. Solche Einschnitte würden die ohnehin eingeschränkte Chancengleichheit weiter verschärfen und das Recht auf Bildung massiv beeinträchtigen. Ohne Unterstützung bei Kommunikation, Alltagsbewältigung, emotionaler Regulation oder praktischen Tätigkeiten können viele Kinder und Jugendliche weder in Regel- noch in Förderschulen gleichberechtigt lernen.
Eingliederungshilfe bedeutet aber noch viel mehr, zum Beispiel in einer eigenen Wohnung leben können, Freizeit gestalten zu können, Wege bewältigen zu können usw.
An dieser Stelle würde ich gerne auf drei Petitionen aufmerksam machen:
Lisa Behme hat die Petition „Teilhabe ist kein Luxus“ ins Leben gerufen. Sie ist selbst Mutter von drei pflegebedürftigen Kindern. Alle drei brauchen Schulbegleitung, alle haben besonderen Förderbedarf.
Die Lebenshilfe hat Lisa Behme unterstützt und dadurch ebenfalls eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht: „Keine Kürzungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung vom 27.02.2026“. Diese läuft noch bis 25.05.26.
Auch die Änderungen im Behindertengleichstellungsgesetz zielen nicht auf Teilhabe hin. Eine verpflichtende Barrierefreiheit erst ab 2045 fühlt sich an, als lebten wir weitere 19 Jahre in der Steinzeit. Eine entsprechende Petition hat René Schaar eingereicht: „Stoppt die Diskriminierung! Pflicht zur Barrierefreiheit ins BGG, jetzt!“
Diversität, Teilhabe und Chancengleichheit nicht anzuerkennen, bedeutet oft, aus einer Perspektive zu sprechen, in der man bestimmte Erfahrungen selbst nicht gemacht hat. Niemand kann von außen wissen, wie es sich anfühlt, mit einer anderen Hautfarbe, einer Behinderung oder einer anderen Identität zu leben. Doch genau deshalb ist es so wichtig, zuzuhören, statt zu beurteilen. Wird diese Perspektive nicht eingenommen und aus der eigenen Vermutung heraus Schlüsse gezogen, wird die Gleichwertigkeit von Menschen infrage gestellt und ihre Lebensrealität verhandelbar gemacht.
In meinen früheren Beiträgen habe ich bereits beschrieben, wie schnell gesellschaftliche Debatten in Grauzonen geraten können. Wenn Errungenschaften, die seit 1945 mühsam aufgebaut wurden, wieder zurückgedreht werden, sollten wir aufmerksam werden. Denn dann geraten Gleichberechtigung, Vielfalt und Menschenwürde ins Wanken.
Inklusion ist nicht immer einfach und in unserem aktuellen Schulsystem wird sie durch viele strukturelle Missstände zusätzlich erschwert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Inklusion gescheitert ist, sondern dass unser veraltetes Schulsystem am Scheitern ist. Diese Herausforderung zu lösen, wird noch viel Zeit brauchen. So lange sollten wir unbedingt versuchen für jeden jungen Menschen die passende Schulart zu finden und es Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen an Regelschulen zu gehen, mit oder ohne Schulbegleitung, wenn dies in ihrem Sinne ist. Wahlmöglichkeit bedeutet Gleichberechtigung, Selbstbestimmtheit und Freiheit. Dies fordern wir alle für uns selbst und unsere Kinder und sollten es deshalb auch niemand anderem absprechen. Genau deshalb braucht es jetzt Menschen, die sich für Wahlmöglichkeiten, Teilhabe und echte Gleichberechtigung einsetzen. Mit meiner Homepage möchte ich dazu beitragen und euch dabei unterstützen es ebenfalls zu tun.



